Personalstand soll bis 2014 auf höchstens 22.399 sinken – aber Frühpensionierung nicht mehr möglich

Wien – Alle reden vom Berufsheer – außer denen, die als Berufssoldaten dienen. Von denen hat das Bundesheer nämlich schon jetzt zu viele – und die kann es nicht adäquat einsetzen. Der Chef der Bundesheer-Gewerkschaft, Willi Waldner, vom Standard darauf angesprochen, gibt ein recht unsoldatisches Motto aus: „Wer kann, der flüchtet.“

Tatsache ist: Auf politischer Ebene sind in den vergangenen Jahren immer neue Reformpläne entworfen worden, auf das bestehende Personal ist dabei kaum Bedacht genommen worden. Da die Stammmannschaft des Verteidigungsressorts aus beamteten Berufssoldaten besteht, kann diese nicht beliebig verkleinert werden.

Jede Personalsparmaßnahme trifft daher unmittelbar die Truppe: Dort können kaum junge Unteroffiziere zur Aufrechterhaltung des Ausbildungsbetriebs und des täglichen Betriebes angeworben werden. Besonders verlockend sind die Karriereaussichten ohnehin nicht, räumt Waldner ein: „Wir sind nicht besonders attraktiv, wir gelten bei Leuten, die zwischen Heer und Exekutive wählen, als ein alter, verzopfter Verein – mir tut das selber weh.“ Um jungen Leuten in einer schrumpfenden Mannschaft Platz zu machen, müssten viele ältere gehen.

Aber das passiert längst nicht im nötige Ausmaß. Dem Standard liegen Berechnungen vor, nach denen der Personalstand von 24.400 (die laut Bundesheer-Reformkommission im heurigen Jahr im Dienst des Verteidigungsressorts sein sollten) bis 2014 auf 22.399 sinken sollte. Durch Pensionierungen (pro Jahr derzeit 800) allein könnte das nicht gelingen, denn da würde die Truppe trotzdem überaltern. Dazu kommt, dass die auch im öffentlichen Dienst geltende Hacklerregelung 2013 ausläuft.

Das würde bedeuten, dass fünf Jahre lang kein Heeresbediensteter in Pension gehen könnte – was noch stärkere Überalterung bedeuten würde. Und die anderen Ministerien sind nur beschränkt in der Lage, Ex-Soldaten eine Beschäftigung zu bieten. Eine gewisse Entlastung gab es durch das Finanzministerium, das rund 400 Personen aus dem Verteidigungsbereich aufgenommen hat, um Steuersündern auf die Schliche zu kommen. Dennoch hat Norbert Darabos rund 1000 Mitarbeiter mehr als er brauchen kann.

(Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2010)

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