Utl.: Wirtschaft stiehlt sich aus der Verantwortung und bildet immer weniger Jugendliche aus =

Wien (OTS/ÖGB) – „Die Aufstockung der überbetrieblichen Lehrstellen ist leider notwendig – weil sich ein großer Teil der Wirtschaft aus der Verantwortung stiehlt und der Jugend die Ausbildung in den Betrieben verweigert – trotz hoher Förderungen“, kritisiert ÖGB-Bildungsexperte Alexander Prischl. Wie schon in den Vormonaten nahmen die Unternehmen auch im Juli weniger Lehrlinge auf: Ende Juli hatten um fast 5.000 Jugendliche weniger als 2008 einen Lehrvertrag im ersten Lehrjahr. Der ÖGB fordert eine Reform der Lehrstellenförderung, bei der die Qualität der Ausbildung im Mittelpunkt steht.++++

12,5 Prozent weniger LehranfängerInnen als 2008

Mit 1. Juli 2008 startete eine umfangreiche Reform der betrieblichen Lehrstellenförderung, bei der erstmals die Qualität der Ausbildung berücksichtigt wurde. Seit diesem Tag sind bis Ende Juli 2010 insgesamt über 126 Millionen Euro ausbezahlt worden. Und trotzdem gibt es derzeit um 12,5 Prozent weniger LehranfängerInnen als 2008. Der ÖGB schlägt daher einige Reformen der Lehrstellenförderung vor:

Grundsätzlich sollte der Zusammenhang der Förderungen mit der Qualität der betrieblichen Lehrausbildung weiter verstärkt werden. Bei der Förderung eines Ausbildungsnachweises zur Mitte der Lehrzeit („Praxistest“) sollte der Förderbetrag pro Lehrstelle reduziert werden. “ Außerdem soll die erste Hälfte bei erfolgreichem Test, die zweite Hälfte bei erfolgreicher Lehrabschlussprüfung ausgezahlt werden“, sagt Prischl.

Einheitliche Standards bei der Qualität

Die Ausbildungsdokumentation, die Bedingung für diese Förderung ist, muss nach einheitlichen Standards und in nachvollziehbarer, webbasierter Form erstellt werden. Der ÖGB fordert, sich an international anerkannten und bewährten Modellen der Qualitätssteigerung und -evaluierung zu orientieren und über die Förderschiene in der betrieblichen Berufsausbildung zu etablieren. „Es gibt einen europäischen Bezugsrahmen für die Qualitätssicherung in der Aus- und Weiterbildung – aber die Lehre ist da bisher immer ausgespart worden“, kritisiert Prischl.

Ausbildung für die AusbilderInnen

Um die Qualität der AusbilderInnen zu verbessern, muss sichergestellt werden, dass nur Kurse gefördert werden, bei denen es sich tatsächlich um Weiterbildungen im direkten Zusammenhang mit der Ausbildung von Jugendlichen handelt. „Ich bin mir sicher, dass die Wirtschaft sich diesen Forderungen nicht widersetzen wird, denn die Unternehmen warnen ja immer, dass ihnen die gut ausgebildeten Fachkräfte ausgehen werden“, schließt Prischl.

Rückfragehinweis:

ÖGB Öffentlichkeitsarbeit
Florian Kräftner
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OTS0123 2010-08-17/12:56
171256 Aug 10

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